Katja
Beiträge: 1 | Zuletzt Online: 28.11.2011
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  • Terror an der Kasse
    Publiziert 28.11.2011 14:42 | Kommentare: 0

    Terror an der Kasse
    Weihnachten nahte und mit ihm die vielen bunten Anreize, denen wir unsere Kinder doch immer wieder gerne aussetzen.
    Im Supermarkt um die Ecke ertönten beschauliche und sehr besinnliche Weihnachtslieder. Umso weniger Zeit ich für meinen Einkauf hatte, umso quengliger der Nachwuchs in meinem Einkaufswagen und umso weniger Ideen für meine Küche, umso mehr liebte ich natürlich die besinnliche Weihnachtsmusik im Supermarkt.
    „Ich trällerte fröhlich: „In dulcio jubiloooo oo oh“ und war dann ach so froh oh oooh, dass die Schlange an der Metzgertheke so lang war, damit mir genügend Zeit blieb, mir auch noch die anderen Weihnachtssongs in der internen Hitparade des Supermarkts anzuhören. Da folgte „Jingle Bells“ gleich auf „oh Tannenbaum“ und „oh du fröhliche“ kam nach „Leise rieselt der Schnee.“ Alles was gemeinhin so unter dem Begriff „Weihnachten“ verstanden wird, quetschte sich jetzt durch die Lautsprecher.
    Meine Tochter war natürlich fasziniert. So viel Farbe wie bei diesem halbstündigen Einkauf hatte sie in ihrem ganzen zweijährigen Leben noch nicht gesehen. Da gab es grüne Adventskränze, rote Kerzen, glitzerndes Lametta und buntes Geschenkpapier. Mitten im Markt trafen wir auf einen Weihnachtsmann mit weißem Bart und großem Sack, in dem er kleine Schokoladentäfelchen aus goldenem Stanniolpapier herumschleppte. Er zog eines heraus und drückte es Lisa in die Hand. Die hielt es so fest in ihrer warmen kleinen Babyfaust, dass es gleich darauf in eine braune Pampe zerlief. Das gefiel ihr aber gar nicht. Entsetzt streckte sie mir ihre Hand entgegen: „Baah“, angeekelt verzog sie den Mund.
    Mach was, hieß das übersetzt in die Erwachsenensprache. Aber was? Noch ehe ich überlegte, wo es hier Papiertaschentücher gab, hatte Lisa schon zur Selbsthilfe gegriffen. Eine sehr elegant angezogene Dame spazierte im teuren Pelzmantel an uns vorbei. Etwas zu nah. Da hatte Lisa schon ihre Hand auf dem Mantel abgewischt. Mir setzte das Herz einen Schlag aus. Ein so teurer Mantel! Sie wird mich tätlich angreifen, den Rechtsanwalt auf mich hetzen, oder mich von ihren Bodyguards niederschlagen lassen. Wahrscheinlich war der Mantel ruiniert und sie verlangte Schadensersatz. Im Geiste überschlug ich, wie lange ich mich von trockenem Brot ernähren musste, um diesen Mantel bezahlen zu können! Unfähig mich zu bewegen blieb ich wie zur Salzsäule erstarrt stehen. Lots Frau war nichts gegen mich. Bestimmt wird sie mir jetzt gleich an die Gurgel springen! Doch die Dame tat nichts von allem. Sie merkte es nicht. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Schnell und klammheimlich machte ich mich aus dem Staub.
    Doch vor das Verlassen des Supermarktes haben die Geschäftsführer bekanntlich die Kasse gesetzt. Die hieß es erst noch überwinden.
    Eigentlich hatte ich dieses Hindernis nicht als allzu schwierig einkalkuliert. Was sich als eindeutige Fehlkalkulation erwies. Direkt neben den Kassen gab es alles, was es im Supermarkt anscheinend nicht gibt. Nämlich Überraschungseier, Smarties, Kaugummis, und jede Menge buntes Naschwerk. Da meine Tochter eine gute Beobachterin war, hatte sie natürlich kapiert, dass man alles, was man brauchte, sich einfach aus den Regalen holte. Das tat sie jetzt. Ich wollte schon bezahlen, als die Kassiererin flötete: „Das Überraschungsei, das Ihre Tochter in der Hand hält, müsste ich auch mal drüberziehen.“
    „Die hat kei….“, begann ich, warf meiner Tochter einen Blick zu und korrigierte mich. „Sorry, aber das brauchen wir nicht.“
    Mit diesen Worten nahm ich meiner Tochter die Süßigkeit wieder ab.
    Sofort brüllte Lisa wie am Spieß.
    Alle in der Reihe anstehenden Kunden schüttelten ausnahmslos missbilligend den Kopf. Ich hörte Stimmengemurmel. „Rabenmutter“, war noch der harmloseste Ausdruck mit dem man meine Unfähigkeit zur Kindererziehung bedachte.
    „Will haben!“, schrie meine Tochter und die Kassiererin schaute seelenruhig zu, anstatt endlich meine Einkäufe abzurechnen.
    „Ihre Tochter hatte es doch schon in der Hand. Jetzt nehmen Sie es auch!“, befahl mir die hinter mir stehende Dame.
    Lisa fühlte wie sie auf einmal eine nie gekannte Aufmerksamkeit bekam und nutzte das weidlich aus. Sie brüllte wie am Spieß, Tränen kullerten aus ihren blauen Augen und sie malträtierte trotzig den Einkaufswagen mit den Füßen.
    Sollte ich mir das wirklich gefallen lassen? Sämtliche Erziehungsratgeber ratterten durch die Festplatte in meinem Gehirn und gaben mir die Botschaft: „Error, es ist ein Fehler aufgetreten. Beenden Sie das Programm und programmieren Sie Ihre Tochter neu.“
    „Jetzt machen Sie schon!“ Die Kundin hinter mir wurde allmählich ungeduldig. Langsam drehte ich mich um und erkannte die Dame mit dem Pelzmantel. Der Schokoladenabdruck von Lisas Hand prangte unübersehbar auf ihrer Hüfte. Ihre Stimme klang wie ein Reibeisen und ich stellte mir vor, wie sie sagte: „Ihre Tochter hat meinen Mantel ruiniert!“
    Schnell schluckte ich meine Erwiderung hinunter, gab der Kassiererin das Ei zum Drüberziehen, zahlte und drückte Lisa die Überraschung in die Hand.

    Nehmen Sie sich Zeit zum Aussuchen von Geschenken! Genießen Sie die Vorweihnachtszeit!

  • Weihnachtsplätzchen backen
    Publiziert 15.11.2011 13:32 | Kommentare: 0 | zuletzt bearbeitet 15.11.2011 13:33

    Weihnachtsplätzchen backen!

    Gerade habe ich meine Freundin Eva angerufen. Ich hatte die geniale Idee, am Wochenende mal wieder in ein Freizeitbad zu gehen. Leider fand sie das ganz und gar nicht genial. „Freizeitbaad!“, ihre Stimme klang leicht genervt. „Was willst du jetzt damit?“
    Blöde Frage. „Schwimmen natürlich!“ Das sagte ich ihr auch. Doch Eva sah das keineswegs als natürlich an. „Hast du mal einen Blick auf den Kalender geworfen?“, wollte sie wissen. Damit irritierte sie mich. Klar, es ist nicht Sommer, soviel steht fest. Doch das weiß ich, auch ohne in den Kalender zu schauen, da muss ich noch nicht mal aus dem Fenster gucken. Es ist auch so kalt genug. „Es ist Herbst?“, fragte ich vorsichtig. „Schlimmer!“, meinte sie. „Die Adventszeit steht vor der Tür!“
    „Ja und? Und deshalb machen jetzt die Freizeitbäder dicht?“
    „Nein, aber sie backen auch keine Weihnachtsplätzchen.“ Ah daher wehte also der Wind. „Es ist noch nicht Advent!“, erinnerte ich sie. „Aber bald, und meine Plätzchen müssen vorher gebacken werden. Ich muss jedenfalls backen. Was du tust, weiß ich nicht.“
    „Also…“ Sie hatte mich schon aus der Leitung geworfen. Was ich auch immer zu meiner Verteidigung vorbringen wollte, es wurde nicht mehr gehört.
    Blieb mir nur, Freundin Nummer 2 anzurufen. Die wollte auch gleich wissen: „Bäckst du wieder Vanillekipferl?“ „Ich wollte eigentlich…“, begann ich.
    „Was anderes backen?“, unterbrach mich Nicole sofort. „Nein, zum Donnerwetter!“, wollte ich schimpfen. Doch ich kam gar nicht zu Wort. Nicole klärte mich groß und breit über ihre Backaktion auf, die am Wochenende beginnen sollte. Ich startete mehrere Versuche, ihren Monolog zu unterbrechen. Leider ohne Erfolg. Im Geiste ging ich die Liste meiner Freundinnen durch, die mich alle ins Freizeitbad begleiten könnten. Ich zählte eins…zwei…. das wars Freundinnen. Na ja, es gab nicht so viele, die Kinder im selben Alter wie ich hatte. Und da ich die letzten Kinder-Turn-Termine geschwänzt hatte, fehlte mir die Gelegenheit, genügend andere Mamis kennenzulernen. „Was wolltest du nochmal backen?“, riss mich Nicole aus meinen Gedanken. „Äääh, Nussecken!“, improvisierte ich schnell.
    „Das ist toll! Weißt du was, komm doch am Wochenende zu mir. Dann könnten wir zusammen mit den Kids Weihnachtsplätzchen backen. Das wäre doch mal was anderes!“
    Was anderes ist der richtige Ausdruck dafür. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich eigentlich ins Schwimmbad wollte. Aber gut, machen wir halt was anderes und backen Weihnachtsplätzchen!
    Dabei können wir dann gleich überlegen, was wir unseren Liebsten schenken wollen!

  • Film im Internet leihen
    Publiziert 14.11.2011 11:57 | Kommentare: 0

    Film im Internet leihen

    Film im Internet leihen!, schrie Lisa. Doch sie wusste nicht, was sie da sagte. Eine Vierjährige lieh sich keine Filme und schon gar nicht übers Internet. Die lieh sich vielleicht mal ein angelutschtes Bonbon von ihrer Kindergartenfreundin. Aber sonst? Ich verstand nur Bahnhof. Da stand mein Mädchen mit dem engelsgleichen Gesicht und zog mit ihrem süßen Mund eine hässliche Fratze, um mir daraus heftige Worte entgegenzuschleudern: „Ich will aber!“
    „Was?“ Fragezeichen, Fragezeichen!
    „Den König der Löwen sehen!“, beharrte Lisa.
    Schön, dass ich endlich wusste, was meine Tochter bewegte. Sie wollte also ins Kino.
    „Nein Lisa!“, entgegnete ich. „Wir besuchen die Oma, du weißt….“ Lisa hielt sich mit beiden Händen die Ohren zu. Um ihre Nichtansprechbarkeit zu betonen, kniff sie außerdem die Augen zusammen. Ich wusste aus Erfahrung, dass sie jetzt nur noch „Blublubblubbb“, verstand und meine Worte wie das Rauschen eines schlecht eingestellten Fernsehers vernahm.
    Bei mir meldete sich mein schlechtes Gewissen: „Was bist du nur für eine Rabenmutter? Nie hast du Zeit. Für Lisa nicht und für deine eigene Mutter auch viel zu wenig. „ „Ja, ja,“ verteidigte ich mich. „Ich muss halt arbeiten“, knurrte ich mein Gewissen an, das auch sofort in Deckung ging und mir Recht gab. „Dann besuch halt deine Mutter!“ Beleidigt zog sich mein Gewissen zurück. Doch als ich schon insgeheim auftrumpfen wollte, schnellte es aus der Deckung: „Lass dir was für Lisa einfallen!“
    Von meinem eigenen schlechten Gewissen überrumpelt, kniete ich mich vor Lisa hin, zog ihr die Hände von den Ohren und versprach ihr: „Gut, wir leihen den Film aus dem Internet aus und schauen den König der Löwen, wenn wir wieder von der Oma zurück sind!“
    Sofort sah Lisas Gesichtchen so engelsgleich aus, als wären niemals kummervolle Sorgenfalten darüber hinweggezogen. „Ja!“, jubelte sie. „Film im Internet leihen!“
    „Genau!“, nickte ich „Film im Internet leihen!“ Und das taten wir dann auch.

  • Weihnachten - was schenken?
    Publiziert 13.11.2011 23:51 | Kommentare: 0 | zuletzt bearbeitet 13.11.2011 23:54

    Weihnachten – was schenken?
    Es war November und ich bekam langsam kalte Füße. Das lag nicht nur daran, dass die Heizung aus war und unser Urlaub schon so lange zurück lag. Es lag auch daran, dass ich Weihnachten kommen sah und wusste, dass ich wieder mal keine Ahnung hatte, was ich irgendjemanden schenken sollte. Meinem Mann nicht, meinem Kind nicht und meiner Schwiegermutter erst recht nicht.
    Ich wusste, wenn ich jetzt nicht anfing, mir Gedanken zu machen, würde nichts, aber rein gar nichts unter dem Weihnachtsbaum liegen. Mein Mann meinte: „Schatz, das Auto hat noch nicht mal Winterreifen – und du denkst an Weihnachten!“
    Häää? Als ob ich mich jetzt mit so banalen Dingen wie Winterreifen beschäftigen könnte! Da lag mir das nahende Weihnachtsfest schon ganz anders im Magen. Weihnachten: das Fest der Liebe, der Besinnlichkeit, der Gemütlichkeit, aber auch, und da machen wir uns nichts vor: das Fest des Schenkens!
    Ich möchte mal meinen Mann sehen, wenn an Weihnachten nichts unter dem Baum liegt, weil… na ja, weil ich an Winterreifen gedacht habe!!!
    Weihnachten – was schenken? Ich musste mir rechtzeitig Gedanken machen, deshalb spazierte ich mit Lisa ins nächst gelegene Einkaufsparadies und ließ mich inspirieren. Leider hatten ungefähr… gefühlte 6 Milliarden Menschen denselben Gedanken. Na ja die ganze Welt war da vielleicht nicht im Kaufhaus, aber immerhin so viel, dass ich ständig so eingeengt stand, dass meine Nase unzählige Parfumdüfte genießen durfte, obwohl ich mich nicht in der Parfumabteilung befand. Lisa zog an meiner Jacke, sie sah kreidebleich aus und schien mir einer Ohnmacht nahe. Mit dem untrüglichen Instinkt einer Vierjährigen zog sie mich in die Spielzeugabteilung, wo sie auch augenblicklich wieder Farbe bekam. Ihre Augen glänzten als sie all das schillernde, ratternde und klappernde Spielzeug sah. Sie riss sich von mir los und war in Sekunden vom gefräßigen Spielzeuglabyrinth verschlungen. „Lisa!“, hilflos starrte ich in die leblosen Augen von Puppen, die mir keine Antwort geben wollten. Obwohl ich sie schüttelte und mich mit ihrem Schweigen nicht zufrieden gab. Ich jagte durch die Gänge. Wo war nur mein kleines, hilfloses Mädchen? Hechelnd hetzte ich um die Ecke und sah gerade noch, wie ein Riesenteddybär mein kleines Mädchen auf den Arm nahm, um es nach Fantasia zu entführen. Im letzten Moment gelang es mir, ihm Lisa wieder zu entreißen. Anstatt mir dankbar um den Hals zu fallen, plärrte sie dem Teddy hinterher und weigerte sich, mit mir nach Hause zu gehen.Zu Hause angekommen, hatte ich noch immer keine Weihnachtsgeschenke. Als ich Lisa dazu befragte, stellte ich fest, dass sie noch immer unter Schock stand. Denn sie meinte nur: Sag du mir, was ich mir wünsche.
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  • Man kann sich doch nicht alles merken!
    Publiziert 01.11.2011 13:36 | Kommentare: 0

    Der Mann im Fernsehen meinte sein Filmopfer, als er von „temporärem Gedächtnisverlust“ redete. Wieso fiel mir da bloß meine Tochter ein?
    Irgendwie schob sich sofort ihr niedliches stupsnasiges Babygesicht mit den knuffigen Bäckchen vor mein inneres Auge und verdeckte die Sicht auf den Fernsehkrimi. Doch in diesem Fall weckte der Gedanke an mein süßes Kleinkind keine angenehme Vorstellung. Nein bei „temporärem Gedächtnisverlust“ hatte ich plötzlich eine Erklärung für das Verhalten meiner Tochter. Sie litt nicht nur „temporär“ an einem Gedächtnisverlust, der war ihr angeboren. Oder wie sonst war es zu erklären, dass sie immer dann, wenn sie aufräumen sollte, meine Aufforderung sofort wieder vergaß.
    Ich erklärte meiner Dreijährigen den Sinn des Aufräumens, doch sie schien dem keinerlei Bedeutung beizumessen. „Schau mal die Bausteine liegen im ganzen Zimmer verstreut. Die Mama kann gar nicht mehr durch gehen. Wenn du nicht aufräumst, stolpert sie und bricht sich ein Bein.“ Lisa schaut mich aus großen Babyaugen ungerührt an.
    „Du hast mit den Bausteinen gespielt, also musst du sie auch aufräumen“, fuhr ich fort. Lisa schüttelte nur heftig ihren Kopf. „Nein, ich nicht gespielt!“ War das noch zu fassen? Sie hatte innerhalb von Sekunden vollkommen vergessen, dass sie gerade eben mit diesen Bausteinen beschäftigt war! Klarer Fall von Gedächtnisverlust! Aber vollkommen. Plötzlich durchzuckte mich ein neuer Gedanke: Oder war das am Ende schon Demenz? Im zarten Alter von drei Jahren? Vorsichtig beobachtete ich meine Tochter. Was vergaß sie noch alles?
    Und richtig: Sie hatte außerdem vergessen, wo ihre Lieblingspuppe war, wer den Keks im Wohnzimmer verkrümelt hat und dass man andere Kinder nicht hauen darf. Beim Mittagessen hatte sie vergessen, dass wir Besteck besitzen und hatte stattdessen ihre Spaghetti mit den Händen aus der roten Soße gefischt. Außerdem wusste sie nicht mehr, dass das durchsichtige Gefäß direkt vor ihr ein Glas war und stieß es deshalb hochkant vom Tisch. Stoisch sah sie wie sich der Inhalt über den Tisch und sie selbst ergoß und verkündete dabei: „ich nicht geschüttet“.
    Sprachlos musste ich mit ansehen, dass meine Tochter immer mehr der Demenz verfiel. Es war eindeutig: sie konnte sich an nichts erinnern, aber an rein gar nichts! Mir fiel auf, dass der Verfall rasend schnell um sich griff. Bald kam der Papa heim. Würde sie ihn überhaupt noch erkennen? Bestimmt wusste sie gar nicht mehr, wer er war. Angestrengt grübelte ich darüber, wie ich das meinem Mann beibringen sollte. Ein Kind, das schon in so jungen Jahren an Demenz erkrankt war! Ein furchtbarer Schicksalsschlag! Wie sollten wir das nur verkraften? Da ging auch schon die Haustür. Lisa hatte es auch gehört. Jetzt kam die Stunde der Wahrheit! Lisa rannte zur Tür. „Papa, Papa. Eis essen. Du versprochen.“ Mir fiel ein Stein vom Herzen. Lisa konnte sich an eine Aussage erinnern, die schon einen ganzen Tag zurück lag! Papas Erscheinen hatte eine Spontanheilung bewirkt!
    Empfehlenswertes Spielzeug gibt es hier!

  • Kindergeburtstag - die geheime Freude für alle Mütter!
    Publiziert 21.10.2011 14:04 | Kommentare: 0

    Ein Blick in den Kalender und mich durchströmte ein Gefühl, als hätte ich mich gerade auf einen Elektroschocker gesetzt. Verwirrt starrte ich auf den rot umrandeten Eintrag: Lisa hat Geburtstag! Na ja, Lisa ist meine Tochter und wird vier Jahre alt! Eigentlich sollte ich den Tag ihrer Geburt nicht vergessen haben, denn ich war dabei gewesen!
    Doch ich hatte den Geburtstag verdrängt! Es ist ihr erster Geburtstag als Kindergartenkind. Das hieß ich muss meinen ersten Kindergeburtstag feiern! Ich sah es schon vor mir: eine Horde wild gewordener Kindergartenkinder werden durch mein Haus toben, mit Schokoladenhänden meine Polster verschmieren, mit Kakao das Wohnzimmer überschwemmen und sich gegenseitig Sahne ins Gesicht klatschen. Wenn ich Pech habe missbrauchen sie mich als Zielscheibe fürs Schaumkuss-wettwerfen.
    Schnell entwarf ich im Geiste einen Alternativ-Plan. Wie wär’s mit Kindergeburtstag bei McDonalds. Das macht Kindern Spaß und ich habe keine Arbeit! Gute Idee! Ich gratulierte mir selber dazu, dass mir eine Notfalllösung eingefallen war, mit der alle gut leben konnten. Hamburger, Pommmes? Darauf stehen doch alle Kinder! Hab ich jedenfalls gehört!
    Nur leider nicht deren Mütter. Das hatte ich aber noch nicht gehört. Bis neulich. Da traf ich dann Paulas Mama, die mir empört berichtete: „Stell dir vor, da war meine arme Paula bei Emma eingeladen. Und die Paula freut sich natürlich auf einen tollen Kindergeburtstag. Aber was soll ich dir sagen: da sind die doch alle zu Mc Donalds gefahren! Total langweilig, fand Paula. Also wirklich: so einfach kann man es sich nicht machen! Und dann noch dieses Fast-Food – zum Geburtstag! Also einfach nur geschmacklos!“
    Mit offenem Mund hörte ich zu. Die Einladung zum Mc-Donalds-Geburtstag hatte ich schon in der Hand. Klar, dass ich die jetzt ganz schnell wieder in meiner Tasche verschwinden ließ. Meine Güte, war mir das peinlich! Wäre ich doch beinahe in die McDonalds-Falle getappt!
    Doch jetzt saß ich wieder ohne Idee da! Es war zum Haare ausreißen! Dafür hatte Lisa Ideen, und zwar wer alles zu ihren Freunden zählte und unbedingt zu ihrem Geburtstag eingeladen werden musste. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass der halbe Kindergarten nur aus besten Freunden bestand. Wie wird das erst werden, wenn sie einmal Facebook kennen lernt und dann ihre 5000 Freunde zum Geburtstag einlädt?
    In meinem Geiste nahm die Horrorvorstellung Gestalt an, ihre 5000 Freunde in meinem Haus, und die hatten diese Einladung an ihre eigenen 5000 Freunde verschickt und so weiter und so fort bis die ganze Welt in unserem Haus versammelt war.
    Ich selber wanderte aus und sah von einem entfernten Stern hinunter auf die mir unbekannte Erde!
    Mit Gewalt musste ich mich daran erinnern, dass ich nur für eine Handvoll Kindergartenkinder einen Geburtstag plante.
    Die Zeit raste dahin, der Geburtstag kam und mit ihm die Katastrophe. Als wären sie Wettkandidaten bei Wetten dass, stopften die süßen Kleinen die Torte in sich hinein, um innerhalb von zwei Minuten zehn Kuchenstücke zu schaffen. Eigentlich hatte ich an ein gemütliches Kaffeetrinken gedacht und hier eine Zeitspanne von zwei Stunden eingeplant. Jetzt fehlte mir ein wichtiger Programmpunkt. Dabei hatte ich schon ein umfangreiches Rahmenprogramm ausgearbeitet. Wir wollten gemeinsam „Happy Birthday“ singen und danach stand das Vorlesen eines Märchens auf der Tagesordnung.
    Nur leider interessierte sich niemand für mein Programm. Stattdessen warfen die Kinder mit den restlichen Kuchenstücken. Sie testeten experimentierfreudig wie weit ein Glas am Tischrand stehen konnte, bevor es herunterfiel. Danach badeten sie im Saft-See und ließen Gummientchen darin schwimmen.
    Bevor sie meinen Streichholzvorrat entdeckten und Lagerfeuer spielen konnten, alarmierte ich die Eltern, damit die ihre hochbegabten kleinen Forscher wieder abholten und ich mich endlich meiner ein wenig verstört wirkenden Tochter widmen konnte. Es war trotzdem noch ein lustiger Geburtstag, da Lisa beim Wettaufräumen Sieger in der Disziplin Chaosvergrößerung wurde und ich mich anschließend mit Herzinfarktverdacht in der Notaufnahme eines Krankenhauses köstlich amüsierte!

    Tipps und Anregungen für Ihren Kindergeburtstag

  • Sie will doch nur spielen!
    Publiziert 10.10.2011 22:28 | Kommentare: 0

    Heute war wieder ein Tag des ganz normalen Wahnsinns. Nachdem meine Ohrmuschel nach unzähligen Dauertelefonaten die Form eines Telefonhörers angenommen hatte und ich mit einem festgefrorenen Lächeln im Gesicht ungefähr tausend unmögliche Kundenwünsche erfüllen durfte, freute ich mich auf den Abend mit einem lieben und anschmiegsamen Kleinkind.

    Sicherlich würde mich meine Tochter reichlich dafür entschädigen, dass ich den ganzen Tag ohne Pause durcharbeiten musste und nach Feierabend so abgehetzt beim Bäcker ankam, dass der mir seine leeren Regale zum Schnäppchenpreis anbieten wollte. Ich wollte sie schon nehmen, als mir auffiel, dass ich dann trotzdem nichts zum Beißen hätte.

    Und richtig: Lisa begrüßte mich mit einem, mein mütterliches Herz anrührenden, Jauchzer.

    „Spielen Mama!“, rief sie mir schon von weitem zu. Diese Worte ließen die Wärme in meinem Herzen allerdings augenblicklich zu Eis gefrieren. Denn „spielen“ hatte was mit Aktivität, Toben, Herumwuseln und Laut sein zu tun. Lauter Attribute mit denen ich heute nichts mehr zu tun haben wollte. Mir war da mehr nach Tee trinken, kuscheln und fernsehen.

    „Deine Mutter ist todmüde…“, unternahm ich einen Erklärungsversuch und sank erschöpft auf meine Couch. Aber dieses einfühlsame Kind startete sofort eine Wiederbelebung, indem es mich als Trampolin missbrauchte.
    „Was machst du da?“, versuchte ich mich matt zu wehren.

    „Springen!“, half Lisa meiner vertrottelten Intelligenz im wahrsten Sinne des Wortes auf die Sprünge.
    „Lass das!“, schnell wollte ich sie packen. Doch meine Dreijährige hatte schon wieder eine neue Idee: sie spielte fangen. Allerdings ohne Fänger. Ich spielte nämlich nicht mit. Lisa hüpfte auf das Sofa und wieder runter. Sie rannte drum herum um gleich darauf wieder hinauf zu klettern und mit ihrem Fitnessprogramm von vorne zu beginnen.

    Wenn ich das jeden Tag tun würde, wäre ich binnen einer Woche um zehn Kilos leichter und mein Babyspeck endlich verschwunden. Stattdessen saß ich lieber vor der Glotze und stierte auf das langweilige Fernsehprogramm. Ich zappte mit der Fernbedienung hin und her, während Lisa pausenlos rief: „Fang mich doch, fang mich doch!“

    Sie wurde nicht müde und wollte partout nicht begreifen, dass ich nicht mitspielte. Stattdessen zerrten die Sprungfedern gefährlich an meinen Gehirnnerven.
    „Lisa nein, Mama müde, nicht spielen.“, sogar in der Wortwahl passte ich mich der meines Kindes an. Mir war heute gar nicht nach intellektuellen Hochflügen. Kein Wunder: starben doch bei jedem Sprung ungefähr tausend meiner Gehirnzellen ab. Ein ganzer Satz stellte eine übergroße Herausforderung an mich dar, vor allem da es um die Kommunikation mit meinem Kind ging.

    Wo war eigentlich der Erzeuger dieses spielwütigen Kindes? Konnte der nicht nach Hause kommen und sich um seinen Nachwuchs kümmern? Seufzend zappte ich mich weiter durch die Programme, während Lisa noch immer wie ein wild gewordener Gummiball durch das Wohnzimmer schoss. Endlich kam der Papa nach Hause. Zumindest hatte er Pizza mitgebracht. Wir fütterten unser Energiebündel mit Fastfood aus der Pappschachtel. Trotzdem wollte sie immer noch spielen. Ich werde die Fastfood-Hersteller verklagen. Sollte man mit Fastfood nicht antriebsarm und konsumorientiert werden? Unsere Lisa war so quirlig wie vor dem Essen und am Fernsehprogramm war sie auch nicht interessiert. Nicht mal am Sandmännchen!

    Doch wir würden uns von unserer Tochter nicht erpressen lassen! Wir schauten weiter unsere Fernsehsendungen. Da kam auch irgend so eine Erziehungssendung, in der gezeigt wurde, wie Eltern mit ihren Kindern spielen sollten. Höchstinteressant! Komisch, dass es immer wieder Eltern gibt, die mit ihren Kindern nicht spielten, die das tatsächlich erst lernen mussten. Dabei ist das doch das einfachste von der Welt.
    In den Nachrichten kam ein Bericht über Hochwasser.

    Die Katastrophe hatte bedenkliche Ausmaße angenommen. Fasziniert starrte ich auf den Bildschirm. Schlimmer als bei der Sintflut versank alles in einem unendlichen Ozean. Das Wasser stieg und stieg. Entsetzt schaute ich mich um. Es stand schon bis zum Sofa. Es stieg und stieg… Eilig krempelte ich mir die Hose hoch. „Lisa, wo bist du!“, schrie ich aufgeregt und watete in die Küche.

    Dort stand meine hochbegabte Tochter auf einem Stuhl an der Spüle, die sie mit einem Stöpsel verschlossen hatte. Sie beobachtete das laufende Wasser und rief begeistert: „Meer!!“

    Meine Begeisterung hielt sich extrem in Grenzen. Spielen war ganz offensichtlich nicht nur ausgesprochen langweilig, sondern auch äußerst gefährlich. Das hatten die in ihrem dämlichen Erziehungsfernsehen natürlich nicht gesagt. Wir brauchten ein Jahr um das Meer wieder aus unserer Wohnung zu vertreiben. Das Wasser hatte sogar unseren geliebten Fernseher lahm gelegt. Die Verzweiflung trieb uns schließlich zum Äußersten. Wir spielten mit Lisa.

  • Nein, meinen Spinat ess ich nicht!
    Publiziert 09.10.2011 00:36 | Kommentare: 0

    Meine Lisa will nicht essen! Die kleine rosa Zunge presst sich hartnäckig gegen den Löffel. Dabei ist Lisa so ein süßes, niedliches Baby. Sie hat die wunderbarsten und weichsten Speckröllchen der Welt! Und dann nicht essen! Das passt doch gar nicht!
    Was mache ich nur mit meinem gesunden Spinat? Wo der doch sooo viel Eisen hat? Das weiß ich noch von meiner Mutter – und die wusste es von ihrer. Ist doch klar, dass das stimmt! Ein Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde, kann gar nicht falsch sein!

    „Jetzt iss endlich!“, höre ich mich brüllen, obwohl mein Verstand heftig argumentiert, dass ich Lisa ihre eigene Entscheidung treffen lassen muss. Aber was kümmert mich mein Gerede über moderne pädagogische Ansätze, wenn mich mein Nachwuchs nervt! Stattdessen steigere ich mich weiter hinein: „Weißt du eigentlich wie viel Arbeit so ein Spinat macht? Erst muss man ihn anbauen, dann gießen, man muss ihn ernten und waschen, bevor man ihn endlich kochen kann!“ Dann schleudere ich ihr mein größtes Argument an den Kopf: „ Ich habe ihn extra für dich aufgetaut!“

    Lisa schaut nicht so, als ob sie das irgendwie beeindruckt. Fassungslos registriere ich, dass es sie nicht interessiert, ob ich den Spinat beim Supermarkt um die Ecke, oder auf dem Mond eingekauft habe.
    Natürlich: sie ist ja auch nur ein vierzehn Monate altes Kleinkind. Aber sie muss den Spinat ja auch nicht einkaufen, sie muss ihn einfach nur essen! Das ist doch nicht zu viel verlangt!

    Jetzt habe ich mich in Rage geredet. „Weißt du eigentlich wie viel Menschen es gibt, die sich alle Finger nach dem guten Spinat ablecken würden?“ Wie auf Kommando patscht Lisa mit ihren Händen in die grüne Pampe und hält mir die Hand hin. „Ablecken!“, fordert sie. Ich schaue sie irritiert an und stelle fest, dass wir ein Kommunikationsproblem haben. Das fängt ja früh an, seufze ich innerlich. Doch ich lasse mich nicht vom Ziel abbringen: Lisa soll essen! „Im Krieg haben wir alle gehungert!“, nehme ich gedankenlos meinen vorhergehenden Monolog wieder auf. „Wir waren ausgemergelt und völlig entkräftet. Wenn uns da einer Spinat gegeben hätte…!
    Dabei konzentriere ich mich so sehr auf den Löffel, den ich jetzt mit sanfter Gewalt in Lisas Mund schiebe, dass ich gar nicht merke, welchen Blödsinn ich gerade verzapfe. Hatte ich jemals im Krieg gehungert? Nein. Stattdessen habe ich vollkommen automatisch die Worte meiner Oma übernommen. Denn sie hatte früher genau mit diesen Sprüchen ihren Spinat an mich verfüttert – und der war noch selbst gekocht, nicht der leckere Tiefkühlspinat mit dem Blubb.

    Statt widerstandslos in Lisas Mund zu gleiten, trifft mein Löffel auf Lisas Zunge. Die schiebt den Löffel aus dem Mund. Lisa hustet und spuckt. Anstatt schuldbewusst den restlichen Teller leer zu essen, schaut sie mich auch noch ganz empört an, als ich mir den labbrigen Tiefkühlspinat aus dem Gesicht wische.
    Lisa sieht mich mit einer Leidensmiene an, so als hätte ich gerade beschlossen, sie auf einer einsamen Insel auszusetzen. Damit liegt sie nicht ganz verkehrt. Zugegeben der Gedanke kommt mir gerade. Mit einer Maske aus grünem Spinat im Gesicht denkt man so was.

    In meiner persönlichen Liste, mit den Dingen, die ich nie erleben wollte, wurde soeben Punkt 1 „dass mir ein Felsblock auf den Kopf fällt“ durch „dass mir ein Kleinkind Spinat ins Gesicht spuckt“, ersetzt.

    Eigentlich glaube ich, die Situation wäre nicht mehr steigerungsfähig. Aber mit dem sicheren Instinkt der Kleinkinder, findet Lisa eine zusätzliche Variante. Sie patscht mit ihren fleischigen Babyhändchen mitten hinein in das grüne unschuldige Essen. Im selben Moment klebt auch schon die ganze Pampe an meiner Bluse, der Jeans, dem Tisch und dem Fußboden. Nur Lisa selbst hat fast nichts abbekommen. Sie trägt ja auch einen Latz. Meine Laune sinkt unterhalb des Gefrierpunkts.

    Die einsame Insel erscheint mir immer verlockender.
    Ist Kindsaussetzung eigentlich strafbar? Ich überschlage meine Chancen auf mildernde Umstände. Das Bespucken mit Spinat kann ich schließlich nicht einfach so hinnehmen. Mit einem guten Anwalt bekomme ich auf jeden Fall Bewährung. Erleichtert will ich schon aufseufzen – die Lösung greifbar vor Augen! Da fällt mir ein, dass ich dann ja trotzdem dieses Suppenkaspar-Baby am Hals habe!

    Vielleicht soll ich lieber bei Ebay ein Inserat aufgeben: „Spucktüchtiges und künstlerisch kreatives Baby zu verschenken!“ Dass sich die Kreativität auf das Herumschmieren von Essen bezieht, werde ich einfach verschweigen. Ein Rückgaberecht muss ich natürlich ausschließen. Das Herumspucken von Grüngemüse habe ich in den Vertragsbedingungen von Ebay nicht als Reklamationsgrund gefunden. Das stimmt mich optimistisch. So habe ich noch eine reelle Chance, dieses quengelnde, trotzige Kleinkind loszuwerden, das sich gegen den nächsten Löffel schon wieder energisch zur Wehr setzt, indem es mit beiden Händen demonstrativ meinen Arm wegschiebt. Jetzt verzieht sie auch noch weinerlich das Gesicht und plärrt lautstark!

    Ist es eigentlich besser ein Baby zu verschenken, oder es auszusetzen? Nur so rein rechtlich gesehen. Ich komme ins Grübeln. Nachdenklich schiebe ich mir den nächsten Löffel Spinat selber in den Mund. Dabei komme ich auf meine erste Idee zurück: Die einsame Insel. Nicht für mein Baby. Nein. Sondern für mich selber!! Insel ich komme!

  • Endlich sauber!
    Publiziert 08.10.2011 19:49 | Kommentare: 0

    Kleine Kinder nerven. Ich wusste es schon, bevor ich geheiratet habe. Dann war ich verheiratet und es änderte sich nichts. Kleine Kinder nerven. Freundinnen bekamen Kinder. Doch ich wusste es: Kleine Kinder nerven. Größere erst recht. Wir brauchten keine Kinder. Doch dann kam der Tag: ich war schwanger.
    Von da an war alles anders: Kleine Kinder sind sooo süß! Als unsere Lisa auf diese Welt kam, wurde diese Welt freundlicher und wärmer. Sie entwickelte sich zu dem süßesten Baby des ganzen endlosen Universums. Irgendwann fing dieses Super-Baby zu laufen an und wir waren die glücklichsten Eltern Deutschlands. Sie hat es wirklich geschafft und die allerersten Schritte hinter sich gebracht. Auf zugegeben, noch sehr wackeligen Beinchen, aber immerhin! Unsere Bewunderung kannte keine Grenzen: Toll Lisa! Das hast du wirklich ganz super super gemacht!“, jauchzten wir begeistert. Und damit unser Wonneproppen-Baby uns auch wirklich verstand, fügten wir ein babygerechtes: „Gelaufen – du – super!“, hinzu.
    Lisa warf uns einen überraschten Blick zu. Sie wollte eigentlich nur zu dem bunten Bilderbuch auf der anderen Seite des Tisches. Ihr war anscheinend gar nicht klar, dass sie soeben dabei war, Deutschlands Superstar-Wunderkind zu werden. Für sie war es vielleicht nur ein kleiner Schritt, aber es war ein riesengroßer für die Menschheit! Mein Mann und ich waren uns einig: Noch nie gab es ein Kind, das so tolle erste Schritte zurücklegte wie unsere Lisa. So gekonnt, so einzigartig.
    „Ballarinamäßig!“, kommentierte es mein Mann.
    „Eine wirklich ausgesprochen präzise Schrittführung!“, setzte ich eins drauf.
    „Dann dieser Hüftschwung! Hast du gesehen…hast du gesehen!“, jedes Wort meines Mannes sprudelte vor stolz auf seine Tochter.
    „Wie sie die Knie anzieht…“, begann ich.
    „… und den Fuß nach vorne setzt.“, lobte mein Mann.
    „Und dieses Wackeln! Sooo süüüß“, schwärmte ich.
    Diese absolute Sensationspremiere lag inzwischen gut zwei Jahre zurück und unser elterlicher Überschwang pendelte sich schon seit einer Weile auf Normalmaß ein. Natürlich wusste ich, dass es kein entzückenderes Kleinkind gab als unsere Lisa. Ich wusste aber auch, dass sie die einzige Dreijährige war, die noch immer in die Windeln machte. Vorbei die Zeiten, als ich mich als Supermutter eines Wunderkindes fühlte, das mit immerhin zwölf Monaten die ersten Schritte hinaus in ein feindliches Leben machte. Und ich fragte mich oft, ob das auch daran lag, dass andere Mütter die Genialität, die außerordentliche Begabung meiner Lisa einfach nicht anerkennen wollten.
    Wenn ich in der Krabbelgruppe vor Stolz fast platzend erwähnte: „Mein Kind läuft“, musterten mich die übrigen Mütter herablassend. Wenig wohlwollend fielen sie mir ins Wort: „Mein Jens geht schon aufs Töpfchen“. Dabei blieb ihr stechender Blick auf dem Windelpaket an Lisa’s Hintern hängen. Als ob diese Ankündigung nicht schlimm genug wäre, nein sie wurde noch begleitet von den Worten. „Er ist erst eineinhalb.“
    Wie gesagt, Lisa wurde eineinhalb, sie wurde zwei und schließlich drei Jahre alt. Doch auch mit 36 Monaten weigerte sie sich noch immer eine Toilette zu benutzen. Sie war das allerliebste Kind. Sie spielte viel und plapperte munter vor sich hin. Nur wenn wir mit ihr versehentlich am Bad vorbeigingen, fing sie sofort an zu plärren. „Nicht Ko gehen. Nein, nicht Klo gehen!“
    Alle Mütter in meiner Krabbelgruppe hatten es inzwischen geschafft, ihr Kind auf den Topf zu kriegen. Alle! Nur ich war die einzige Versagerin! Ich kam mir vor wie eine Aussätzige. Immer wieder wurde ich angesprochen. „Ist Lisa endlich sauber?“
    Nachts träumte ich davon. Ich sah meine Tochter als einzige, die nicht mit ins Schullandheim fuhr, weil sie noch nicht sauber war. Wahrscheinlich ist meine Tochter die erste, die noch Windeln trägt, wenn sie mit ihrem Freund zusammenzieht.
    Nachts im Traum sah ich die Apokalypse direkt auf mich zurasen. Die Pampers, die meine Tochter verbrauchte, summierten sich zu einer Billionenzahl und stapelten sich höher als der legendäre Turm zu Babel. Irgendwann stieß er an den Himmel, fiel in sich zusammen und die Teile bedeckten die ganze Welt. Auch der Pamperskonzern wurde unter lauter Windeln begraben. Der Konzernchef kroch unter der unappetitlichen Hinterlassenschaft hervor und versprach kostenlose Windeln für fünf weitere Kinder, wenn ich meine Tochter dazu brächte, ab sofort aufs Töpfchen zu gehen. „Sie soll aufs Klo gehen!“, schrie er mir ins Ohr. „Klo gehen, Klo gehen!“ Er brüllte so laut, dass ich davon aufwachte. Lisa stand neben mir, rüttelte mich und quengelte: „Klo gehen!“
    Tja, manchmal werden Träume eben wahr!



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