Terror an der Kasse

Terror an der Kasse

28.11.2011 14:42

Terror an der Kasse
Weihnachten nahte und mit ihm die vielen bunten Anreize, denen wir unsere Kinder doch immer wieder gerne aussetzen.
Im Supermarkt um die Ecke ertönten beschauliche und sehr besinnliche Weihnachtslieder. Umso weniger Zeit ich für meinen Einkauf hatte, umso quengliger der Nachwuchs in meinem Einkaufswagen und umso weniger Ideen für meine Küche, umso mehr liebte ich natürlich die besinnliche Weihnachtsmusik im Supermarkt.
„Ich trällerte fröhlich: „In dulcio jubiloooo oo oh“ und war dann ach so froh oh oooh, dass die Schlange an der Metzgertheke so lang war, damit mir genügend Zeit blieb, mir auch noch die anderen Weihnachtssongs in der internen Hitparade des Supermarkts anzuhören. Da folgte „Jingle Bells“ gleich auf „oh Tannenbaum“ und „oh du fröhliche“ kam nach „Leise rieselt der Schnee.“ Alles was gemeinhin so unter dem Begriff „Weihnachten“ verstanden wird, quetschte sich jetzt durch die Lautsprecher.
Meine Tochter war natürlich fasziniert. So viel Farbe wie bei diesem halbstündigen Einkauf hatte sie in ihrem ganzen zweijährigen Leben noch nicht gesehen. Da gab es grüne Adventskränze, rote Kerzen, glitzerndes Lametta und buntes Geschenkpapier. Mitten im Markt trafen wir auf einen Weihnachtsmann mit weißem Bart und großem Sack, in dem er kleine Schokoladentäfelchen aus goldenem Stanniolpapier herumschleppte. Er zog eines heraus und drückte es Lisa in die Hand. Die hielt es so fest in ihrer warmen kleinen Babyfaust, dass es gleich darauf in eine braune Pampe zerlief. Das gefiel ihr aber gar nicht. Entsetzt streckte sie mir ihre Hand entgegen: „Baah“, angeekelt verzog sie den Mund.
Mach was, hieß das übersetzt in die Erwachsenensprache. Aber was? Noch ehe ich überlegte, wo es hier Papiertaschentücher gab, hatte Lisa schon zur Selbsthilfe gegriffen. Eine sehr elegant angezogene Dame spazierte im teuren Pelzmantel an uns vorbei. Etwas zu nah. Da hatte Lisa schon ihre Hand auf dem Mantel abgewischt. Mir setzte das Herz einen Schlag aus. Ein so teurer Mantel! Sie wird mich tätlich angreifen, den Rechtsanwalt auf mich hetzen, oder mich von ihren Bodyguards niederschlagen lassen. Wahrscheinlich war der Mantel ruiniert und sie verlangte Schadensersatz. Im Geiste überschlug ich, wie lange ich mich von trockenem Brot ernähren musste, um diesen Mantel bezahlen zu können! Unfähig mich zu bewegen blieb ich wie zur Salzsäule erstarrt stehen. Lots Frau war nichts gegen mich. Bestimmt wird sie mir jetzt gleich an die Gurgel springen! Doch die Dame tat nichts von allem. Sie merkte es nicht. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Schnell und klammheimlich machte ich mich aus dem Staub.
Doch vor das Verlassen des Supermarktes haben die Geschäftsführer bekanntlich die Kasse gesetzt. Die hieß es erst noch überwinden.
Eigentlich hatte ich dieses Hindernis nicht als allzu schwierig einkalkuliert. Was sich als eindeutige Fehlkalkulation erwies. Direkt neben den Kassen gab es alles, was es im Supermarkt anscheinend nicht gibt. Nämlich Überraschungseier, Smarties, Kaugummis, und jede Menge buntes Naschwerk. Da meine Tochter eine gute Beobachterin war, hatte sie natürlich kapiert, dass man alles, was man brauchte, sich einfach aus den Regalen holte. Das tat sie jetzt. Ich wollte schon bezahlen, als die Kassiererin flötete: „Das Überraschungsei, das Ihre Tochter in der Hand hält, müsste ich auch mal drüberziehen.“
„Die hat kei….“, begann ich, warf meiner Tochter einen Blick zu und korrigierte mich. „Sorry, aber das brauchen wir nicht.“
Mit diesen Worten nahm ich meiner Tochter die Süßigkeit wieder ab.
Sofort brüllte Lisa wie am Spieß.
Alle in der Reihe anstehenden Kunden schüttelten ausnahmslos missbilligend den Kopf. Ich hörte Stimmengemurmel. „Rabenmutter“, war noch der harmloseste Ausdruck mit dem man meine Unfähigkeit zur Kindererziehung bedachte.
„Will haben!“, schrie meine Tochter und die Kassiererin schaute seelenruhig zu, anstatt endlich meine Einkäufe abzurechnen.
„Ihre Tochter hatte es doch schon in der Hand. Jetzt nehmen Sie es auch!“, befahl mir die hinter mir stehende Dame.
Lisa fühlte wie sie auf einmal eine nie gekannte Aufmerksamkeit bekam und nutzte das weidlich aus. Sie brüllte wie am Spieß, Tränen kullerten aus ihren blauen Augen und sie malträtierte trotzig den Einkaufswagen mit den Füßen.
Sollte ich mir das wirklich gefallen lassen? Sämtliche Erziehungsratgeber ratterten durch die Festplatte in meinem Gehirn und gaben mir die Botschaft: „Error, es ist ein Fehler aufgetreten. Beenden Sie das Programm und programmieren Sie Ihre Tochter neu.“
„Jetzt machen Sie schon!“ Die Kundin hinter mir wurde allmählich ungeduldig. Langsam drehte ich mich um und erkannte die Dame mit dem Pelzmantel. Der Schokoladenabdruck von Lisas Hand prangte unübersehbar auf ihrer Hüfte. Ihre Stimme klang wie ein Reibeisen und ich stellte mir vor, wie sie sagte: „Ihre Tochter hat meinen Mantel ruiniert!“
Schnell schluckte ich meine Erwiderung hinunter, gab der Kassiererin das Ei zum Drüberziehen, zahlte und drückte Lisa die Überraschung in die Hand.

Nehmen Sie sich Zeit zum Aussuchen von Geschenken! Genießen Sie die Vorweihnachtszeit!

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  • Erstellt von Katja In der Kategorie Allgemein am 28.11.2011 14:42:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 28.11.2011 14:42
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