Man kann sich doch nicht alles merken!

Man kann sich doch nicht alles merken!

01.11.2011 13:36

Der Mann im Fernsehen meinte sein Filmopfer, als er von „temporärem Gedächtnisverlust“ redete. Wieso fiel mir da bloß meine Tochter ein?
Irgendwie schob sich sofort ihr niedliches stupsnasiges Babygesicht mit den knuffigen Bäckchen vor mein inneres Auge und verdeckte die Sicht auf den Fernsehkrimi. Doch in diesem Fall weckte der Gedanke an mein süßes Kleinkind keine angenehme Vorstellung. Nein bei „temporärem Gedächtnisverlust“ hatte ich plötzlich eine Erklärung für das Verhalten meiner Tochter. Sie litt nicht nur „temporär“ an einem Gedächtnisverlust, der war ihr angeboren. Oder wie sonst war es zu erklären, dass sie immer dann, wenn sie aufräumen sollte, meine Aufforderung sofort wieder vergaß.
Ich erklärte meiner Dreijährigen den Sinn des Aufräumens, doch sie schien dem keinerlei Bedeutung beizumessen. „Schau mal die Bausteine liegen im ganzen Zimmer verstreut. Die Mama kann gar nicht mehr durch gehen. Wenn du nicht aufräumst, stolpert sie und bricht sich ein Bein.“ Lisa schaut mich aus großen Babyaugen ungerührt an.
„Du hast mit den Bausteinen gespielt, also musst du sie auch aufräumen“, fuhr ich fort. Lisa schüttelte nur heftig ihren Kopf. „Nein, ich nicht gespielt!“ War das noch zu fassen? Sie hatte innerhalb von Sekunden vollkommen vergessen, dass sie gerade eben mit diesen Bausteinen beschäftigt war! Klarer Fall von Gedächtnisverlust! Aber vollkommen. Plötzlich durchzuckte mich ein neuer Gedanke: Oder war das am Ende schon Demenz? Im zarten Alter von drei Jahren? Vorsichtig beobachtete ich meine Tochter. Was vergaß sie noch alles?
Und richtig: Sie hatte außerdem vergessen, wo ihre Lieblingspuppe war, wer den Keks im Wohnzimmer verkrümelt hat und dass man andere Kinder nicht hauen darf. Beim Mittagessen hatte sie vergessen, dass wir Besteck besitzen und hatte stattdessen ihre Spaghetti mit den Händen aus der roten Soße gefischt. Außerdem wusste sie nicht mehr, dass das durchsichtige Gefäß direkt vor ihr ein Glas war und stieß es deshalb hochkant vom Tisch. Stoisch sah sie wie sich der Inhalt über den Tisch und sie selbst ergoß und verkündete dabei: „ich nicht geschüttet“.
Sprachlos musste ich mit ansehen, dass meine Tochter immer mehr der Demenz verfiel. Es war eindeutig: sie konnte sich an nichts erinnern, aber an rein gar nichts! Mir fiel auf, dass der Verfall rasend schnell um sich griff. Bald kam der Papa heim. Würde sie ihn überhaupt noch erkennen? Bestimmt wusste sie gar nicht mehr, wer er war. Angestrengt grübelte ich darüber, wie ich das meinem Mann beibringen sollte. Ein Kind, das schon in so jungen Jahren an Demenz erkrankt war! Ein furchtbarer Schicksalsschlag! Wie sollten wir das nur verkraften? Da ging auch schon die Haustür. Lisa hatte es auch gehört. Jetzt kam die Stunde der Wahrheit! Lisa rannte zur Tür. „Papa, Papa. Eis essen. Du versprochen.“ Mir fiel ein Stein vom Herzen. Lisa konnte sich an eine Aussage erinnern, die schon einen ganzen Tag zurück lag! Papas Erscheinen hatte eine Spontanheilung bewirkt!
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  • Erstellt von Katja In der Kategorie Allgemein am 01.11.2011 13:36:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 01.11.2011 13:36
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